Seelsorge & Strafvollzug
Zur Praxis heutiger Gefängnisseelsorge
gegründet 2018
Justizvollzug und Gefängnisseelsorge im Spannungsfeld unterschiedlicher Aufgaben und Interessen
Essay eines ehemaligen Generalsekretärs, Oberstaatsanwaltes und Justizvollzugschefs (1994-2019)
Von Dr. Thomas Manhart, Zürich
Nach 25-jähriger Tätigkeit im Justizvollzug, die Hälfte davon als Chef des Amtes für Justizvollzug des Kantons Zürich, konnte ich mich nach meinem Rücktritt bei den Gefängnisseelsorgenden an ihrer Sitzung vom 13. November 2019 im Zentrum der katholischen Landeskirche am Hirschengraben 66 verabschieden. Ich legte ihnen in einem kleinen Referat einige Gedanken zum Verhältnis zwischen Gefängnisseelsorge und Justizvollzug dar.

Als Pensionär geniesse ich das Privileg, in keine Organisation mehr eingebunden zu sein und auch nicht mehr hohen wissenschaftlichen Ansprüchen nacheifern zu müssen. Ich schreibe aus 25 Jahren Berufserfahrung frei von der Leber weg. Seit ich von meiner Funktion als Chef des Amtes für Justizvollzug (welches neu «Justizvollzug und Wiedereingliederung» heisst) Ende September letzten Jahres zurückgetreten bin, habe ich für mich viele persönlichen Erinnerungen niedergeschrieben. Ich bekam dabei den Eindruck, dass das eigentliche Thema, welches hinter dem Thema «Mutigerer Gefängnisseelsorge» steckt, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Jurist_innen und Gefängnisseelsorgenden in der Sichtweise auf unser gemeinsames Geschäftsfeld Justizvollzug und der Umgang damit sind.

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Ansprache anlässlich der feierlichen Übergabe der CAS-Urkunden Religious Care in Migration Contexts
im Beisein von Frau Bundesrätin Simonetta Sommaruga in der Aula der Universität Bern am 28. Mai 2018
von Prof. Dr. Isabelle Noth, Präsidentin der Programmleitung des CAS Religious Care, Bern.

Gefängnisseelsorge als Nachdiplomstudium an der Universität Bern.
Der Beginn einer Erfolgsgeschichte
Von Dr. theol.  h.c. Willi Nafzger, Bern
In diesem Artikel gebe ich einen Einblick in die Entstehung des Nachdiplomstudiums zur Gefängnisseelsorge, welches heute als CAS «Seelsorge im Straf- und Massnahmenvollzug» an der Universität Bern angeboten wird. Gemeinsam mit Prof. Dr. Christoph Morgenthaler wurde ich 1991 als Leiter des Weiterbildungsprogramms eingesetzt. Ausgehend von einer Studie über die Situation der Gefängnisseelsorgenden in der Schweiz von 1978 werden theologische Grundlagen der Gefängnisseelsorge beleuchtet, die die Grundlage des späteren Curriculums bildeten sowie eine kurze Zusammenfassung des Entstehungsprozesses gegeben. Das Nachdiplomstudium zielte auf eine Weiterbildung der Teilnehmenden im kognitiven und im sozial-emotionalen Bereich sowie die Erweiterung ihrer sozialen Kompetenzen.

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Die Rollen(n) des Imams im Gefängnis
Von Muris Begovic, Zürich.
In diesem Artikel soll versucht werden die Rolle bzw. die Rollen des muslimischen Gefängnisseelsorgers zu definieren. Dabei soll untersucht werden, wie die Tätigkeit eines Imams als Gefängnisseelsorger anhand des Korans zu begründen ist und wie sich Umfeld und Rollenverständnisse des Imams im Gefängnis und in der muslimischen Gemeinschaft unterscheiden. Wegweisend sind dabei die Geschichte des Propheten Josef sowie eigene Erfahrungen als muslimischer Gefängnisseelsorger im Jugendmassnahmenvollzug.

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Seelsorge als Minimalmotivation für stationäre Therapie? Überlegungen zum Bundesgerichtsentscheid 6B_543/2015
Von Dr. Frank Stüfen, Zürich und Bern.
Dieser Artikel reflektiert eine Bemerkung aus dem Bundesgerichtsentscheid 6B_543/2015, die nahelegt, dass der freiwillige Besuch der Seelsorge als Minimalmotivation zu einer stationären Therapie gewertet werden könne. Daraus ergeben sich erhebliche Probleme hinsichtlich der institutionellen Stellung der Gefängnisseelsorge, ihrer Vertrauensposition gegenüber den Insassen und einer Schweigepflicht, die bereits durch institutionelle Dokumentation als gefährdet angesehen werden kann.

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Gesichter der Einsamkeit und Isolation während der Corona-Krise. Auswertung eines transaktionsanalytischen Seelsorgegesprächs
von Marek Slaby, Hombrechtikon.
Als Gefängnisseelsorger im Jugendmassnahmenzentrum Utikon begleite ich viele junge Menschen, die während der Covid-19-Pandemie ihre Strafe verbüssen. Was zuvor selbstverständliche Möglichkeiten waren, um Kontakt mit der Aussenwelt zu pflegen (Besuche von Familie und Freunden, Urlaubstage), ist nun seit mehreren Wochen aufgrund von Kontaktverboten nicht möglich. Je länger die Pandemie dauerte, desto mehr waren sind die seelischen und psychischen Auswirkungen der Isolation zu beobachten. Bei vielen jungen Straftätern wurde löst diese Isolation Wut, Frustration, Sehnsucht oder Traurigkeit durch diese Isolation ausgelöstaus. In diesem Artikel gebe ich anhand eines Fallbeispiels einen Einblick in die Herausforderungen, denen sich Inhaftierte zurzeit stellen müssen und zeige auf, wie diese Menschen in der Seelsorge unterstützt werden können. Dabei konzentriere ich mich besonders auf das transaktionsanalytisch-beratende Seelsorgegespräch mit dem Insassen.

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